OT Oltner Tagblatt, SAMSTAG, 26. JANUAR 2013

Wochenkommentar zur regierungsrätlichen Stellungnahme zum Auftrag Kupper

Hellchöpfli nein, Schwängimatt ja – warum?


VON UELI WILD, STV. CHEFREDAKTOR

Der Solothurner Regierungsrat kann den Auftrag von Edgar Kupper (CVP, Laupersdorf) «Keine Windparks an grenznahen Standorten » nicht integral unterstützen, zumal die eigenen, im Solothurner Richtplan als mögliche Windparks aufgeführten Standorte praktisch ausnahmslos nahe der Grenze zu einem Nachbarkanton liegen. Der Regierungsrat will sich daher bei Vernehmlassungen zur Planung und zum Bau von Windparks an grenznahen Standorten in Nachbarkantonen an den eigenen im Richtplan beschlossenen Planungsgrundsätzen orientieren. Der Auftraggeber dürfte trotzdem gut mit dem Bescheid leben können, folgt ihm die Regierung doch im konkreten zentralen Punkt: «Der vom Kanton Bern in seiner Richtplanrevision vorgesehene Standort Hellchöpfli soll aus Sicht des Landschaftsschutzes und des hohen Erschliessungsaufwandes und des damit verbundenen starken Eingriffs in die Natur abgelehnt werden.» Mit dem Hellchöpfli und der Erweiterung Grenchenberg-Pré Richard bringt der Kanton Bern Standorte auf der ersten Jurakette ins Spiel. An der grossen Informationsveranstaltung in Laupersdorf zum Windpark-Projekt Schwängimatt trat noch ein Chargierter aus dem Oberaargau auf, der ausführte, der Kanton Bern wolle die erste Jurakette von Windturbinen freihalten. Nach der Überweisung der Motion Flück/Moser durch den Grossen Rat sind dort aber offenbar alle Dämme gebrochen. Klar: Damit die Windkraft einen substanziellen Beitrag zur Energieerzeugung in der Schweiz leisten kann, muss im Grunde auf jeden Maulwurfshügel ein Windrad gepflanzt werden. Aber heiligt die Energiewende jede Landschaftszerstörung, auch wenn es sich dabei – wie etwa im Thal mit dem Naturpark – um den Rohstoff der Region handelt?

SICHER KANN MAN sich fragen, weshalb der Kanton Bern die erste Jurakette verschonen sollte, wenn der Kanton Solothurn bei der Verunstaltung der Silhouette doch vorangeht , mit den Projekten Grenchenberg und Schwängimatt. Gleichwohl ist im Grundlagenbericht zur bernisch-kantonalen Planung Windenergie von 2012 eine Stellungnahme des Solothurner Amtes für Raumplanung enthalten, welche die nun aufscheinende Haltung der Kantonsregierung vorwegnimmt. Der Standort Hellchöpfli wird dort schon als «aus Sicht des Landschaftsschutzes problematisch» bezeichnet. Da stellt sich dann unweigerlich die Frage, weshalb denn der Standort Schwängimatt – zwei Kilometer östlich auf derselben Krete – nach den gleichen Planungsgrundsätzen als unproblematisch eingestuft und in den Solothurner Richtplan aufgenommen wurde ... – Einen Unterschied gibt es: Beim Projekt Schwängimatt sind die Masten ein wenig unterhalb des Bergkamms geplant. Vom Windpotenzial her gesehen, ist das suboptimal. Vom Mittelland her sind sie damit aber kaum wahrzunehmen, von der Thaler Seite her dagegen schon ... Auf dem Hellchöpfli jedoch lässt die Topografie wohl keine andere Platzierung als auf dem Gratplateau zu.

IM BERNER BERICHT steht, man halte an den Windenergieprüfräumen Büren und Hellchöpfli fest – Solothurner Einwendungen hin oder her. Die Anliegen des Kantons Solothurn seien allerdings «in der weiteren Konkretisierung der Planung auf regionaler Stufe zu berücksichtigen». Der Solothurner Regierungsrat kann sich dann zum Standort Hellchöpfli in aller Klarheit äussern. Über die handfestesten Argumente verfügt aber vermutlich einmal mehr die von Edgar Kupper selber präsidierte Körperschaft, die Bürgergemeinde Laupersdorf als Eigentümerin der Strasse aufs Hellchöpfli. Legt sie sich quer, bleibt dem Berner Bären wohl nur ein beleidigtes Brummen.

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